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Französische und deutsche Unternehmen im Vergleich: SNCF und Deutsche Bahn

3. Mai 2012

Fünf Jahre nach dem Start des grenzüberschreitenden Hochgeschwindigkeitsverkehrs sind Deutsche Bahn und SNCF so zufrieden, dass sie das Angebot ausweiten. Nur fehlende ICE bereiten Probleme. TEXT: MATTHIAS SANDER



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Selbst beim Zugfahren ticken Deutsche und Franzosen verschieden, weiß die Unternehmenszeitung der Deutschen Bahn. „Wenn der Franzose auf die Zugtoilette geht, und er hat fließend Wasser, dann freut er sich", zitierte die „DB-Welt" im März einen Elsässer Schaffner. Dem Deutschen hingegen „fließt das Wasser dann nicht schnell genug". Eine deutsche Kollegin, die ebenfalls im grenzüberschreitenden Fernverkehr arbeitet, sprach den Klassiker Pünktlichkeit an: „Die Deutschen werden bereits bei fünf Minuten Verspätung ungeduldig, die Franzosen bleiben gelassen."


Die ICE-Verbindung von Frankfurt nach Paris bot jüngst reichlich Gelegenheit, diese Mentalitätsunterschiede zu überprüfen. Wie in längst vergangenen Zeiten war an der Grenze Endstation, auch für den aus der Gegenrichtung kommenden ICE Richtung Frankfurt. Wenn man Glück hatte, trafen beide ICE gleichzeitig im Saarbrücker Hauptbahnhof ein, und das Umsteigen ging zügig vonstatten. Mit ein paar Minuten Verspätung kehrten danach beide Züge mit neuen Fahrgästen nach Frankfurt beziehungsweise Paris zurück. Die Deutsche Bahn hat nämlich nicht genug  ICE , die mit den französischen Strom- und Zugsicherungsssystemen klarkommen. Einst waren es sechs sogenannte ICE M F - das steht für Mehrsystem Frankreich. Seit einem Unfall im Sommer 2010 fehlt einer dieser Züge. Zu allem Überfluss verzögert Siemens seit längerem die Auslieferung von 16 bestellten ICE, die teils für den Frankreich-Verkehr gedacht sind. Im Winter fielen nun laut einem Bahn-Sprecher weitere ICE wegen „Schotterschlags" und Wartungsarbeiten an den fragilen Achsen aus. „Das systematische Umsteigen in Saarbrücken war aber eine Ausnahme", so der Sprecher.


Ansonsten zeigen sich DB und SNCF mit dem gemeinsamen Hochgeschwindigkeitsverkehr fast fünf Jahre nach dem Start zufrieden. Seit Juni 2007 haben sechs Millionen Fahrgäste im ICE oder TGV die Grenze überquert. Dreieinhalb Millionen Fahrgäste entfielen auf die Verbindung Frankfurt-Paris, die fünfmal bedient wird. Zweieinhalb Millionen Fahrgäste nutzten die viermal täglich angebotene TGV-Verbindung Paris-Stuttgart, die einmal am Tag weiter bis München führt. Auf diesem Südast sind  DB und  SNCF mit 56 Prozent Marktführer. Auf dem Nordast liegt der Anteil der Schiene jedoch nur bei 25 Prozent. Dies sei eine gute Zahl, so die Bahn, schließlich seien Frankfurt und Paris die wichtigsten Flugdrehkreuze ihres Landes. Doch der niedrige Anteil dürfte auch daher rühren, dass der  ICE auf deutscher Seite oft nur 160 km/h fahren kann - und so für die 550 Kilometer knapp vier Stunden braucht.


Unzuverlässiger ICE, robuster TGV


Mit der am 23. März gestarteten Verbindung Frankfurt-Marseille haben beide Bahngesellschaften nun ihr Angebot erweitert. Eingesetzt wird nicht der als unzuverlässig geltende ICE, sondern der robustere TGV. Und zwar in der doppelstöckigen Version TGV Duplex, die mit 509 Sitzen 148 Plätze mehr als üblich bietet. Sieben Stunden und 45 Minuten braucht der Zug für die rund 1000 Kilometer. Dabei nutzt er den im Dezember eröffneten ersten Abschnitt der Hochgeschwindigkeitsstrecke Rhein-Rhône, der von Belfort über Besançon führt. Seit über 20 Jahren macht die Vereinigung „Trans Europe TGV Rhin-Rhône-Méditerranée" für diese erste TGV-Trasse mobil, die nicht auf Paris ausgerichtet ist. Mitglieder sind neben französischen Gebietskörperschaften auch deutsche, Schweizer und selbst spanische Städte wie Karlsruhe, Basel und Zaragoza.


Entlang der neuen Verbindung vom Main ans Mittelmeer liegen beliebte Urlaubsregionen wie das Elsass, das Rhône-Tal und die Provence. So wird der ein oder andere Fahrgast sicher noch vor Marseille aussteigen - etwa in Straßburg, in Frankfurts Partnerstadt Lyon oder in Avignon. Das neue Angebot und auch die für kommenden Dezember geplante Aufnahme der TGV-Verbindung Freiburg- Paris dürften also einen Trend zementieren: Deutsche nutzen die grenzüberschreitenden TGVs und ICEs häufiger als Franzosen. Aktuell sind es 60 Prozent.


TEXT: MATTHIAS SANDER