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Frankreich ist nichts für Vegetarier

17. Februar 2010



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Johannes Scheffl er arbeitet seit Mai 2009 in der Zentrale des französischen Käseherstellers Bongrain in Viroflay bei Paris. Nach einem Trainee-Programm im Supply Chain Management der Wiesbadener Niederlassung von Bongrain wechselte der 30jährige als interner SAP-Berater in die Firmenzentrale nach Paris und betreut dort europaweit SAP-Projekte im Supply-Chain- Bereich. Ein Sprung ins kalte Wasser war der Wechsel nach Frankreich für ihn nicht: „Rund 20 Prozent der Mitarbeiter in Wiesbaden sind Franzosen, so dass ein reger Austausch über die kulturellen Besonderheiten Frankreichs und Deutschlands stattfindet", erklärt Scheffler, der in Bamberg Europäische Wirtschaft studiert hat. Problematisch sei allerdings das Versicherungswesen: „Viele Verträge wie Haftpflicht oder die private Rentenversicherungen richten sich nach nationalen Vorschriften und sind bei einem Umzug nach Frankreich oft nicht übertragbar." Zusätzliche Kosten sind meist die Folge. Unterschiede zu Deutschland macht Scheffler insbesondere im Tagesablauf aus: „Ein typischer Arbeitstag beginnt etwas später als in Deutschland, erstreckt sich dafür auch weiter in die Abendstunden." Die Mittagspause sei dabei eine wichtige Institution. Nicht nur für Genuss und Entspannung, sondern vor allem auch zum Informationsaustausch. „Das gemeinsame Essen mit Kollegen hat schon einen großen Stellenwert", betont Scheffler. „Gutes Essen spielt in Frankreich natürlich eine große Rolle." Allerdings sollte man Fleisch mögen: „Frankreich ist nichts für Vegetarier", so Scheffler. In Deutschland würden mittlerweile überall vegetarische Gerichte angeboten, in einer französischen Kantine sei dies eher selten. Zur Not müssen die Kollegen wohl zum Käse greifen - aber daran wird es in der Kantine in Viroflay wohl nicht mangeln.


Miriam Reumann ist einen anderen Weg gegangen


Über den europäischen Freiwilligendienst landete die studierte Sozialwissenschaftlerin 2008 in St. Péray bei Valence. Ein Jahr lang arbeitete sie ehrenamtlich für den Verein Parenthèse, der Menschen mit psychischen Problemen eine neue Perspektive gibt. 6 Menschen können in in einem Haus des Vereins in St. Péray untergebracht und tagsüber betreut werden. Zu den Aktivitäten gehört auch die Pflege der beiden Obst- und Gemüsegärten in Toulaud und Saint-Marcel-lès-Valence, für die Reumann hauptsächlich zuständig war. Inzwischen arbeitet die 28jährige immer noch in St. Péray und mag gar nicht mehr zurück nach Deutschland: „Während meines Freiwilligendienstes haben wir hin und wieder mit einem Bioladen hier in St. Péray zusammengearbeitet und die haben mir Anfang des Jahres eine Stelle angeboten", erzählt Reumann. Seit April hat sie eine Vollzeitstelle mit unbefristetem Vertrag und kümmert sich mit einem Kollegen hauptsächlich um die Obst- und Gemüseabteilung. „Der Job ist abwechslungsreich und wir haben eine tolle Arbeitsatmosphäre", so Reumann. „Das ist vielleicht nicht ganz der typische Weg einen Job zu finden, aber ich fühle mich sehr wohl, lerne total viel - und ich hätte ja nach meinem Sozialwissenschaftstudium niemals gedacht, mal in dieser Branche zu arbeiten." Ob sie ihre Zukunftspläne in Deutschland oder in Frankreich verwirklichen wird, wird sich noch zeigen: „Mein - in Frankreich seltener - unbefristeter Arbeitsvertrag gibt mir Ruhe und Gelassenheit über weitere Projekte nachzudenken."


TEXT: YVONNE POEPPELBAUM