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Beispiel eines französischen Luxusunternehmen in Frankreich: die Rückkehr von Großvaters Taschenuhr

3. Februar 2014

Das junge Unternehmen FOB hat sich einem altbekannten Gegenstand gewidmet: der Taschenuhr. Aus einer Mischung von Tradition und Moderne will es ein trendiges Accessoire schaffen. TEXT: JOHANNES WETZEL



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Der junge Mann im schwarzen T-Shirt kommt ein paar Minuten zu spät zur Verabredung. An seiner Uhr kann es nicht liegen, denn er hat davon gleich mehrere bei sich. Aber er ist eben sehr beschäftigt: Sari Hijji gehört mit Aurélien Caron und Laurent Aziz zu den Gründern der Uhrenmarke FOB, die sich auf dem umkämpften Markt einen Platz erobert hat. Sari Hijji zieht eine dieser Uhren aus der Tasche - eine Taschenuhr eben, aber dank der mitgelieferten Kette kann man sie sich auch um den Hals hängen. Das schöne Stück ähnelt der silbernen Taschenuhr vom Großvater, die ein Freund dem Trio 2009 zeigte. Das war die zündende Idee für die heute 26-jährigen, die sich seit zehn Jahren kennen und schon während des Studiums an den seriösesten Ingenieurschulen - Centrale, Polytechnique - sowie der Business School ESSEC von der Modewelt fasziniert „etwas Kreatives unternehmen" wollten.


Aus der altmodischen Taschenuhr sollte ein trendiges Accessoire werden. Statt auf Retrolook setzt sie, so Sari, auf den „Street Dandy": „Angesagt, jung, elegant à la française". Aber eben doch mit Vergangenheit - wie das Wort „Fob", mit dem die Engländer früher die Taschenuhr bezeichneten: Eine perfekte Illustration französischer Marketingstrategien im Luxussektor. Schon die Auswahl des Uhrenmechanismus, den man durch ein Fenster auf der Rückseite in Bewegung sieht, kombiniert Tradition und Mode: „Wegen des Charmes traditioneller Uhrmacherkunst", sollte es ein halbautomatischer Mechanismus sein, mit dem sich die Uhr von selbst aufzieht. Aber statt eines schweizerischen wählten sie ein japanisches System: „Das unterstreicht unsere Positionierung als Modeaccessoire." Die Taschenuhr aus gebürstetem Stahl, die Sari Hijji auf den Tisch legt, hat einen Durchmesser von fünf Zentimetern. Mit einer Verschalung für die Rückseite lässt sie sich personalisieren. Ein neues, kleineres Modell ist „bei der Fashion Week extrem gut gelaufen".


Nach einer Marktanalyse begannen „drei Jahre Kampf", sagt Sari Hijji, bis man im September 2012 die erste Uhr auf der Pariser Modeaccessoiremesse „Première Classe" vorstellte. Erste Hürde: Einen Hersteller für die Einzelteile zu finden, der zudem bereit war, in geringer Stückzahl - für einige Hundert Uhren - zu produzieren. Die zweite, finanzielle Hürde nahmen die drei, ohne Eigenkapital, dank einigen zehntausend Euro Starthilfe von der Business-School ESSEC. Den Zugang zum Markt schließlich erkämpften sie sich mit Überzeugungsarbeit: „Wir suchen nicht Schmuckgeschäfte, sondern Concept Stores." Mit Stückpreisen ab 500 Euro liegt FOB zwar eindeutig im Luxusbereich. Dennoch ist die Uhr in 43 Verkaufsstellen zu finden - etwa im Pariser Centre Pompidou oder der Pariser Oper. Zudem hat sich FOB sofort auf Export orientiert - ein Schulbeispiel der Luxusbranche: „Wir verkaufen 70 % im Ausland".


In einer kleinen Werkstatt gleich um die Ecke setzt ein Uhrmacher die gelieferten Einzelteile zusammen. Im Juni stellten sie ihre erste Angestellte ein. Über Zahlen will Hijji nicht reden, aber er strahlt Optimismus aus: „Es läuft gut trotz Krise - da kann es nur aufwärts gehen." Frankreich habe eine Uhrmachertradition und „große Legitimität in Sachen Mode". Das Zauberwort steht auf dem Uhrendeckel, auch wenn man es nur mit der Lupe lesen kann: „made in France".


TEXT: JOHANNES WETZEL