Deutschland, ein Zugpferd für Europa

ParisBerlin Deutschland Zugpferd für EuropaEine Zahl sticht nach der Sommerpause besonders hervor: Die Bundesbank kündigt Deutschland für das laufende Jahr ein Wirtschaftswachstum von 3% an; ein Prozentsatz, den es seit der Wiedervereinigung nicht gegeben hat. Damals wurde ein Wachstumsrekord von 3,5 % erreicht. Und es gibt noch mehr positive Neuigkeiten für Deutschland.


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Angesichts der auf 7,6 % gefallenen Arbeitslosenquote wird der private Konsum voraussichtlich noch ansteigen. Zudem kann Berlin dank der Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe Marktanleihen zu historisch niedrigen Zinssätzen tätigen. Als Zugpferd der europäischen Konjunktur beeinflusst Deutschland die Entwicklung der Länder, die auf verschiedene Arten strukturell mit ihm verbunden sind: die Slowakei, Tschechien und Polen durch den Zulieferbetrieb, Österreich und die Schweiz, die sich in der ehemaligen DM-Einflusszone befinden und deswegen starke kommerzielle Bande mit Deutschland geknüpft haben, sowie Belgien und die Niederlande, die mehr oder weniger die gleiche handelspolitische Strategie der Marktöffnung verfolgen.Dieser positive Einfluss auf die Länder Europas nimmt der aus Frankreich kommenden Kritik den Wind aus den Segeln - Frankreichs Wachstumsprognose liegt bei nur 1,4 %, seine Arbeitslosenquote bei 10 %. Für die nächsten Monate ist eine angespannte Stimmung zwischen den beiden Ländern zu befürchten.

Angela Merkel wird innenpolitisch heikle Themen wie die Abschaffung der Wehrpflicht, Steuersenkungen, Gesundheitsreform und Gehaltsforderungen anpacken müssen und dabei den Groll der Bevölkerung auf sich ziehen. Sie ist entschlossen, auf die wirtschaftlichen Erfolge ihres Landes zu setzen und sich dabei vom „deutsch-französischen Tandem" nichts erzählen zu lassen. Dennoch müssen Deutschland und Frankreich sich in komplizierten Fragen wie der Finanzregulierung und der Reform der gemeinsamen Agrarpolitik aufeinander abstimmen.

Die aktuelle Situation gibt Deutschland die Möglichkeit, die Dinge im Alleingang zu regeln. Sie bestärkt die Regierung in ihrer Sparpolitik und macht der Opposition, die sich für die Ankurbelung der Wirtschaft durch Gehaltserhöhungen einsetzt, einen Strich durch die Rechnung. Was die französische Führung betrifft, so befinden sich ihre hypothetischen Verbündeten aus dem Süden in einer denkbar schlechten Lage. Es bleibt nur die Option, sich an Deutschlands Rockzipfel zu hängen und sich für die kommenden nationalen Spannungen zu wappnen. Die umstrittene Rentenreform wird dabei die wichtigste Bewährungsprobe.

TEXT: OLIVIER BRETON