La Grande Nation wird größer, die Deutschen weniger

La Grande Nation wird größerDie Menschen werden immer älter - doch nicht in jedem Land ist das Resultat das gleiche. Studien zeigen: Frankreich altert, Deutschland vergreist. Trotz steigender Lebenserwartung haben die Franzosen kein Problem mit dem Nachwuchs. Bei den Deutschen sieht es da ganz anders aus. TEXT: DOROTHEA GRASS


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Ende des Jahres 2009 kam die 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes heraus. Die Prognose ist klar: Deutschland schrumpft. 2060 werden in Deutschland voraussichtlich nur noch 65 bis 70 Mio. Menschen leben. Es kommt es zu erheblichen Veränderungen in der Altersstruktur der Bevölkerung. Roderich Egeler, Präsident des Statistischen Bundesamtes erläutert: „Im Jahr 2060 wird dann jeder Dritte mindestens 65 Lebensjahre durchlebt haben - jeder Siebente wird sogar 80 Jahre oder älter sein." Zum Vergleich: Heute beträgt der Anteil der Deutschen, die 65 Jahre oder älter sind, 20 Prozent der Bevölkerung.
Mehrere Faktoren tragen dazu bei. Eine stetig sinkende Geburtenrate bis 2060 und eine steigende Zahl von Sterbefällen bis Anfang der 2050 sollen dazuführen, dass sich das Geburtendefizit in den nächsten 50 Jahren verdreifachen wird. Die Geburtenziffer wird bei 1,4 Kindern pro Frau etwa gleich bleiben, die Lebenserwartung und die Zuwanderung werden sich in den nächsten Jahren leicht erhöhen.

Sehr verschiedene Nachbarn

Eine wichtiger Faktor für diese Entwicklungen ist die unterschiedliche Familienpolitik beider Länder. Familie und Beruf zu vereinbaren, ist in Frankreich schon lange möglich und wird gesellschaftlich voll unterstützt.

1939 verabschiedete der französische Staat den „Code de la famille" mit staatlichen Maßnahmen zum Bevölkerungswachstum, die die Grundlage dafür schufen, dass Erwerbstätigkeit für beide Elternteile einfacher wurde. Ein Grund für diese Maßnahme: das größere Bevölkerungswachstum des Nachbars im Osten und die Furcht vor einer gewissen „deutschen Übermacht".

Für französische Mütter ist es heute selbstverständlich, schnell wieder ihre Erwerbstätigkeit aufzunehmen, während sich deutsche Mütter von Kleinkindern oft gegen Vorbehalte wehren müssen.

Die französische Wissenschaftlerin und Autorin Béatrice Durand, die seit 1990 in Deutschland lebt, beschreibt in ihrem Buch „Cousins par alliance" fundamental unterschiedliche Wahrnehmungen in beiden Ländern. Sein Kind „abzugeben" habe östlich des Rheins oft einen negativen Beigeschmack. In Frankreich sei es selbstverständlich, sein Kind frühzeitig an verschiedene Umfelder heranzuführen, während in Deutschland die Geborgenheit im Zuhause und die Präsenz der Eltern als entscheidend erachtet wird für das Aufwachsen der Kinder. Hinzu kommt - in Westdeutschland - eine geschichtlich bedingtes Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen, die Kinder in Gruppen betreuen.

Die Erinnerungen an das Dritte Reich wiegen schwer, und auch die Kleinkindbetreuung zu DDR-Zeiten gilt als moralisch suspekt. Ein Umdenken fällt schwer. Auch wenn politisch die Weichen in Form von Elterngeld oder dem Ausbau der Kindertagesstätten gestellt sind, wird es noch dauern, bis notwendigen Veränderungen auch in der alltäglichen Denkkultur ankommt.

TEXT: DOROTHEA GRASS