Working Girls: Ein Blick voller Klischees in die Arbeitswelt von Frauen in Frankreich

Working Girls Arbeitswelt von Frauen in FrankreichDie sechs "Working Girls" der neuen Serie auf Canal+ vereinen alle Klischees, die man mit Frauen verbindet: Karine, die Tyrannin, Déborah, die Nymphomanin, Nathalie, die berufstätige Mutter und Hélène, die Nervenschwache.

Frauen bei der Arbeit, Gefahr im Büro?

Working Girls, die neue Serie auf Canal+, zeigt die Welt innerhalb von Unternehmen in Frankreich aus der Sicht der Frauen. Aber nicht irgendwie: "Jeder von uns kennt verrückte, hysterische, depressive oder nymphomane Kollegen oder Vorgesetzte. Aber selten sind sie alle auf einem Haufen", steht auf dem Klappentext der ersten Staffel. Ein Teaser, der viel verspricht: Die Sendung, angelehnt an die niederländische Fernsehserie Toren C, ist eine explosive Mischung von Klischees aus der Arbeitswelt von Frauen. Vor allem aber wird mit erfrischend ätzender Selbstironie das Verhalten von Kollegen in Büros auf die Schippe genommen.

Schockierend, trashig aber auch lustig und viel zu übertrieben

Als Béatrice Fournera, eine der drei Drehbuchautorinnen von Working Girls, die niederländische Version entdeckte, fand sie sie "schockierend und trashig, aber auch witzig und völlig übertrieben". Während die französische Version zwar den Grundton der Gags und Witze aus der Originalserie übernimmt, wurden die einzelnen Episoden auf jeweils 13 Minuten gekürzt und auch die Figuren sind anders gestaltet. Working Girls handelt von sechs Frauen, sechs völlig überzeichneten Charakteren. Karine ist die tyrannische Leiterin der Verkaufsabteilung. Sie liebt es, ihre Kollegen zu demütigen, besonders gehbehinderte, die sie gerne als "roulants", also als "Rumroller" schmäht. Dann ist da Déborah, Chefin der Personalabteilung und absolute Nymphomanin. Nathalie, ihre Assistentin, kommt nach ihrem fünften Mutterschaftsurlaub ins Büro zurück, unter dem Arm hat sie ein Baby und im Beutel eine Milchpumpe.

Dann gibt es noch die beiden zigarettensüchtigen Klone Sophie und Sophie, die sich ein Büro, um nicht zu sagen, ein Gehirn teilen. Und schließlich rundet die nervenschwache Hélène, ihres Zeichens Kopf der Marketingabteilung, mit ihren mehr als häufigen Heulattacken das Bild ab.

Klischees in Frankreich

Diese völlig stereotypen Angestellten gehen einem allerdings meist eher auf den Nerv, als dass man sich mit ihnen identifizieren könnte. Man kann sich daher nur schwer vorstellen, wie ausgerechnet sie dazu beitragen sollen, die Stellung von Frauen in Unternehmen zu verbessern.

Je stärker man karikiert, umso mehr zerstört man Klischees

Aber darum geht es den Drehbuchautoren auch gar nicht. "Wir sind nicht im Auftrag des Feminismus unterwegs. Wir hatten einfach nur Lust, über ein bisher wenig beachtetes Feld zu lachen," sagt Béatrice Fournera, ehemalige Produzentin der Fernsehsendung "Nulle part ailleurs". Und genauer: "Je stärker man karikiert, umso mehr zerstört man auch Klischees. Letztlich dient die Serie mit ihren völlig überzogenen Charakteren der Sache der Frau." Vielleicht ist das ja tatsächlich so, denn hinter dem verschrobenen Humor behandelt die Serie ernste Themen, wie etwa die Chancen von Behinderten auf dem französischen Arbeitsmarkt, die Unzufriedenheit von Arbeitnehmern, den teils harten Konkurrenzkampf unter Kollegen oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.