Welche Aspekte sollte man unbedingt vor Unterzeichnung eines französischen Arbeitsvertrags beachten?

Unterzeichnung eines französischen ArbeitsvertragsHerzlichen Glückwunsch, Sie haben eine Anstellung in Frankreich gefunden! Aber bevor Sie Ihren Arbeitsvertrag unterschreiben, sollten Sie ihn sich genau durchlesen. Denn alles, was darin vermerkt ist, gilt ab dem Zeitpunkt Ihrer Unterschrift verbindlich und bei Nichteinhaltung Ihrer vertraglichen Pflichten hat Ihr Arbeitgeber das Recht, Sanktionen gegen Sie einzusetzen.

Daher ist es immer ratsam, sich Zeit zu nehmen, bei Unklarheiten Rückfragen zu stellen oder sogar eventuelle Berichtigungen anzufordern.

Die Probezeit (la période d'essai)

Die Dauer Ihrer Probezeit muss zwingend in Ihrem französischen Arbeitsvertrag festgelegt sein, ebenso wie der Zusatz, ob diese unter bestimmten Umständen verlängert werden darf oder nicht. Sollten diese Informationen nicht enthalten sein, hat Ihr Arbeitgeber kein Recht, Ihnen eine Probezeit aufzuerlegen, bzw. diese zu verlängern. Dies gilt auch, wenn im Tarifvertrag (convention collective) eine Probezeit vorgesehen ist.

Mehr Informationen über die Dauer der Probezeit in Frankreich finden Sie unter: La période d'essai

Arbeitszeiten (horaires de travail)

Ohne Ihr Einverständnis kann die vertraglich festgelegte Arbeitszeit (zum Beispiel 35 Stunden pro Woche) nicht geändert werden. Allerdings hat der Arbeitgeber das Recht, von Ihnen Überstunden zu verlangen und ohne Ihr Einverständnis die im Vertrag festgelegten Arbeitszeiten zu ändern (sofern diese keinen ausschlaggebenden Punkt bei der Einstellung darstellen).

Was dagegen nicht möglich ist, ist eine Verlegung der Arbeitszeit vom Tag in die Nacht, ohne dass Sie sich damit einverstanden erklärt haben.

Arbeitsort und Mobilitätsklausel (lieu de travail et clause de mobilité)

Die Angabe des Arbeitsortes im Arbeitsvertrag dient lediglich zur Information, außer wenn in Ihrem Vertrag explizit erwähnt wird, dass Sie ausschließlich an dem genannten Ort arbeiten werden.

So kann Ihr Arbeitgeber Ihren Einsatzort ändern, unter der Voraussetzung, dass Sie in derselben Region bleiben. Sollte Ihr Vertrag eine Mobilitätsklausel enthalten, kann Ihr Arbeitgeber von Ihnen verlangen, auch überregional, in dem im Vertrag festgelegten Bereich, den Arbeitsort zu wechseln.

Aufgaben, Status, Eingruppierung und Mindestlohn klar definieren

Sie sollten stets darauf achten, dass Ihre Funktion, der genaue Aufgaben- und Verantwortungsbereich sowie mögliche Personal- und Budgetverantwortung genau definiert werden. Ihr Status und Ihre Eingruppierung sollten Ihrer Funktion im Unternehmen entsprechen. Achten Sie darauf nicht in einer zu niedrigen Kategorie zu landen, denn je nach Eingruppierung fallen Sie in bestimmte Mindestlohnansprüche, die im Tarifvertrag festgelegt sind.

An einem neuen Arbeitsplatz kann es immer zu nicht vorhersehbaren Missständen kommen, wenn nicht alle Details in Ihrem französischen Arbeitsvertrag festgelegt worden sind, so zum Beispiel die Versetzung innerhalb des Unternehmens an eine Stelle, die Sie nicht mögen, oder ins Ausland, sowie Kompetenzminderung. Solchen Verfahren kann man mit genauen Jobbeschreibungen, vor allem auch bei Führungskräften vorbeugen.

Variable Bezüge im Arbeitsvertrag festschreiben

Die detaillierte Festlegung des Gehalts ist wie in Deutschland ein zentraler Punkt in französischen Arbeitsverträgen. Schon vor dem Antritt der Stelle sollten fixe und variable Anteile des Gehalts (zum Beispiel bei Managern) festgesetzt werden, da eine nachträgliche Regelung nicht immer das erwartete Ergebnis bringt. Welche Kriterien zur Erreichung der Ziele angerechnet werden und wie die Gewichtung derselben gehandhabt wird, sollte ebenso vertraglich festgelegt werden, wie das Festgehalt, um Streitigkeiten mit den Vorgesetzten zu vermeiden.

Vage Formulierungen in Verträgen von Führungskräften wie zum Beispiel absence de plainte d'un client (keine Beschwerden von Seiten der Kunden) sollten nicht akzeptiert werden, sondern genaue Zahlen verlangt werden (wie viele Beschwerden sind ausschlaggebend etc.).

In diesem Fall wären folgende präzise Angaben zielführend: Bei keinerlei Beschwerden erreicht der Arbeitnehmer 100% seiner Ziele, bei 10% der bearbeiteten Dossiers erhält er nur 90% der Prämie usw. Aufgrund dieser Zielvereinbarungen ist es wichtig, dass der Arbeitnehmer sich vor Vertragsunterzeichnung immer über seine eigenen Kompetenzen in Bezug auf die von ihm verlangten Ziele im Klaren ist.

Weitere Informationen zum Arbeitsrecht in Frankreich

Wenn Sie weitere ausführliche Informationen zum Arbeitsrecht in Frankreich erhalten möchten, können Sie sich unter folgender Website einen Überblick (allerdings nur in französischer Sprache) verschaffen: Service-Public.fr

Eine weitere Informationsquelle ist der Servicebereich Info-Emploi (ebenfalls in französischer Sprache) des Ministère de l'Emploi, du Travail et de la Cohésion sociale unter: travail.gouv.fr