Vorsicht bei provokativen Fragen im Bewerbungsgespräch in Frankreich

Provokative Fragen im Bewerbungsgespräch in FrankreichPersonalverantwortliche achten in einem Vorstellungsgespräch nicht nur ganz genau auf Ihre Qualifikationen, sondern auch auf mögliche negative Eigenschaften. Ein Test dabei könnte sein: Wie gehen Sie damit um, wenn Sie mit Vorurteilen konfrontiert werden?

Jeder Bewerber sollte auf jeden Fall auf die unangenehme Frage nach Stärken und Schwächen vorbereitet sein, in dem man sich die eigenen Eigenschaften im Vorfeld bewusst macht. Bei einer Bewerbung in einem Unternehmen in Frankreich sind Französischkenntnisse und/ oder internationale Berufserfahrungen von deutschen Bewerbern natürlich in jedem Fall als Stärken einzuschätzen - oder etwa nicht?

Expertentipps für provokative Fragen im Bewerbungsgespräch in Frankreich

Interview Jérôme Lecot Eurojob-Consulting

Wir haben Jérôme Lecot, Geschäftsführer der deutsch-französischen Personalvermittlung Eurojob Consulting zu diesem Thema befragt, und er hat uns einige wichtige Tipps verraten.

JL: Gerade solche positiven Erfahrungen und Fähigkeiten wie Auslandsaufenthalte können auch Grundlage für Vorurteile bieten, mit denen man eigentlich gar nicht rechnet - und plötzlich sieht man sich einer Provokation ausgesetzt. Personalverantwortliche wollen durch diese Umkehr von positiven in negativen Qualifikationen testen, wie der Bewerber mit eben diesen Vorurteilen oder versteckten Vorwürfen umgeht. In einem solchen Fall ist es extrem wichtig zu wissen, was man antwortet - und was besser nicht!

Sie waren bereits für kurze Zeit beruflich in Frankreich beschäftigt, danach haben Sie aber lange in Deutschland gearbeitet. Können Sie sich überhaupt vorstellen, längerfristig hier in Frankreich zu arbeiten?

Wie sollte man auf eine Frage wie diese reagieren?

JL: Der Personalverantwortliche könnte vermuten, dass die Wahl des (Aus-)Landes und somit auch die Wahl des Unternehmens nicht dauerhaft, sondern nur eine Laune sein könnte, weil Sie bisher immer nur für kurze Zeit im Ausland waren. Lassen Sie sich bei einer solchen Frage aber nicht dazu hinreißen, eine Grundsatzdiskussion über das Thema zu beginnen, ob junge Menschen, allein getrieben von Fernweh und Abenteuerlust ins Ausland gehen und nicht aufgrund von "seriöseren" Motiven.

Natürlich fühlt man sich aber innerlich angegriffen, wenn unterstellt wird, man habe keine ernsthaften Absichten bei der Bewerbung. Unser Tipp: Bleiben Sie in jedem Fall ruhig und sachlich, reagieren Sie weder aufbrausend oder voller Empörung auf diese provokativ gemeinte Frage, noch mit einer Antwort, die dem Vorurteil ungewollt Recht geben könnte.

Wie man nicht antworten sollte:

Natürlich kann ich mir vorstellen längerfristig in Frankreich zu arbeiten! Was spricht denn dagegen Auslandserfahrung zu sammeln? Mit meinen bisherigen Auslandsaufenthalten habe ich doch die immer so geforderte Flexibilität bewiesen, oder?

Analyse:

JL: Wer fühlt sich von dieser Unterstellung von Seiten des Unternehmens nicht angegriffen? Etwas worauf Sie stolz sind, wird als negativ dargestellt. In keinem Fall sollten Sie darauf aber mit einer Gegenfrage antworten. Stattdessen sollten Sie gerade die positiven Aspekte des Auslandsaufenthaltes herausstellen. So wie im folgenden Beispiel:

So könnte man antworten:

Durch meine Tätigkeiten in Frankreich konnte ich bereits wertvolle berufliche und internationale Kontakte knüpfen, die ich auch bei meiner zukünftigen Arbeitsstelle nutzen kann. Außerdem kenne ich durch die Zeit in Frankreich bereits den französischen Arbeitsalltag, so dass mir die Eingliederung nicht schwer fallen wird. Und natürlich bringe ich auch mein Wissen aus dem deutschen Arbeitsumfeld mit, was ebenfalls bereichernd für das Unternehmen sein könnte.

Analyse:

JL: Wer clever ist, schafft es positiv auf die Anspielung zu reagieren und den vermeintlichen Nachteil zum eigenen Vorteil zu nutzen.

Versuchen Sie mit der richtigen Formulierung Ihr Interesse an dem Unternehmen und den Produkten erneut zu zeigen und gleichzeitig herauszustellen, wie gut all das zu Ihrem eigenen berufliche Werdegang passt. Wenn es bei Ihnen zutrifft, können Sie auch noch näher auf Ihr bereits bestehendes soziales Umfeld in Frankreich eingehen, um die Motivation für Ihren Ortswechsel noch weiter zu untermauern.

Denken Sie immer daran: Internationale Kontakte in der Berufswelt sind stets eine positive Zusatzqualifikation. Lassen Sie sich also nicht durch eine solch provokative Frage aus der Ruhe bringen!

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