Sie schießen wie Pilze aus dem Boden: deutsch-französische Kooperationen

deutsch-französische KooperationenInternationale Wettbewerbsfähigkeit ist heutzutage nur noch durch Zusammenschluss leistungsstarker Netzwerke möglich. Deshalb ist es nicht erstaunlich, dass viele neue Partnerschaften zwischen französischen und deutschen Kompetenznetzen entstanden sind oder in den Startlöchern stehen. TEXT: JEAN-PHILIPPE LACOUR


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Ein Vorteil: Die geographische Lage

Mehr als 50 Partnerschaften zwischen Unternehmen, Forschungs- und Ausbildungsinstituten von beiden Seiten des Rheins befi nden sich bereits in trockenen Tüchern. Begünstigt werden sie auch durch die geographische Nähe unserer beiden Länder. So zum Beispiel das trinationale Netzwerk BioValley, unter dem sich im Rheintal französische, deutsche und schweizerische Akteure der Fachbereiche Biotechnologie und Medizinwissenschaft zusammenschließen.

„BioValley schlägt Kapital aus seiner internationalen Bekanntheit und der Stärke des Netzwerks, um ein wichtiges Werkzeug der wirtschaftlichen Entwicklung am Oberrhein zu werden", erklärt Claire Mandry, Pressesprecherin von BioValley. Eine Positionierung, die eine Finanzspritze der Europäischen Union verdient hat. Doch die Nähe erklärt nicht alles. Die Standorte mit internationalen Ambitionen suchen auch Partner weit über regionale Grenzen hinaus. Die Firma Sytem@tic, ansässig im Pariser Umland, vertreibt mobile, elektronische Systeme und schloss sich mit dem bayrischen BICC (Bavarian Information and Communication Technology Cluster) zusammen. Eine weitere Allianz fand zwischen dem Franzosen Aerospace Valley aus Toulouse und dem Norddeutschen Safe TRANS statt. Gemeinsam gründeten sie die technische, virtuelle Plattform Eicose (European Institute for Complex and Safety critical Embedded systems engineering).

Der Wille zur Zusammenarbeit

Obwohl von höchster staatlicher Stelle gewünscht, würden die Kooperationen zwischen Clusters nicht zustande kommen, ohne den nötigen Willen der Unternehmer und Forscher, ihre Kompetenzen zusammenzulegen und sich auf eine gute Strategie zu einigen.
Dieses Vorgehen beginnt, viele Nachahmer zu finden. Vincent Collins, Direktor des europäischen Keramiknetzwerks in Limoges beschreibt seine Erfahrung: „Wir haben mit vier Wissenschaftlern aus Limoges und einem Industriellen das Materiallager der Universität von Bayreuth besucht, unter der Schirmherrschaft des Kompetenznetzwerks „Neue Materialen". Es wurden vier Thematiken ausgearbeitet, bei denen eine Kooperation möglich wäre, besonders im Bereich der Biokeramik."

2008 machte die französische Präsidentschaft der europäischen Union die europäische Entwicklung der Clusters zu einem ihrer Aktionsthemen. Seitdem wurde die „Europäische Gruppe der Clusterpolitik" von der Kommission auf den Weg geschickt. Ihr Bericht wird in 18 Monaten erwartet, am Ende des Mandates.
Die Internationalisierung der Netzwerke ergibt sich allerdings nicht von alleine. Interessierte Unternehmen geben als größte Hindernisse fehlendes Vertrauen und Interessenkonflikte der potentiellen Partner an. Laut der deutschen Studie „Kompetenznetze" haben nur 10% von ihnen bereits Strategien für eine grenzüberschreitende Partnerschaft entwickelt.

TEXT: JEAN-PHILIPPE LACOUR