Konsolidierung bei EADS

PB Konsolidierung bei EADSEin neuer Firmenname und der Abbau von 5 800 Stellen: der europäische Luftfahrtriese EADS muss sich nach dem Scheitern seiner Fusion mit der britischen BAE Systems neu aufstellen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. TEXT: OSTAP BENDER


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Eine ganz normale Firma wollte EADS-Chef Tom Enders aus dem europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern machen, und die jüngste Umstrukturierung und Umbenennung zeigt, dass dieses Ziel weitgehend erreicht ist. Rund 5 800 Stellen werden bei dem Konzern gestrichen, und zwar in der Verteidigungs- und Raumfahrtsparte. Und in Zukunft heißt die Firma Airbus - so wie ihr erfolgreichstes Produkt. „Die zivile Luftfahrt ist weiterhin von starkem Wachstum geprägt, während die Raumfahrt bestenfalls stagniert und sich unser Auftragsbuch in der Verteidigung Jahr um Jahr reduziert", erläutert EADS-Kommunikationschef Rainer Ohler im Gespräch mit ParisBerlin. Die beiden Geschäftsbereiche entwickeln sich auseinander. Kommerzielle Luftfahrt mache mittlerweile 80 % des Geschäfts aus, Raumfahrt und Verteidigung nur noch 20 %. „Insofern liegt es nahe, dass wir diese Geschäftsgrundlage erkennen und sagen: lass uns draußen auch dranschreiben, was drinnen ist."

Schwieriger als die Änderung des Firmennamens ist aber die Konsolidierung, die durch diese Gewichtung des Geschäfts notwendig geworden ist. Innerhalb von drei Jahren sollen die 5 800 Stellen zu praktisch gleichen Teilen bei den Sparten Verteidigung und Raumfahrt gestrichen werden. Betroffen sind 2 000 Stellen in Deutschland, 1 260 in Frankreich, 557 in Spanien, 450 in Großbritannien und 180 in anderen Ländern. „Wir haben innerhalb der Firma einen Schwerpunkt unseres Verteidigungsgeschäftes in Deutschland", erläutert Ohler, weshalb mehr deutsche Jobs betroffen sind als französische. Die Zusammenlegung der Sparten Cassidian (Verteidigung), Astrium (Satelliten) und der militärischen Teile von Airbus soll die Position des Anbieters gegenüber dem Kunden stärken. Stichwort: One-Stop-Shop. Der Käufer bekommt alles aus einer Hand, eine Verkaufsorganisation, eine Marketingorganisation, ein Kern-Engineering und ein Programm-Management. „Davon versprechen wir uns die Sicherstellung der Wettbewerbsfähigkeit", sagt Ohler.

Die Regierungen beiderseits des Rheins ließen es sich nicht nehmen, die Konzernführung zu einem sanften Vorgehen anzuhalten und darauf zu drängen, auf Entlassungen zu verzichten. Das werde von den Verhandlungen mit den Gewerkschaften abhängen, erklärte EADS bei der Ankündigung der Stellenstreichungen im Dezember. Wenn es Zugeständnisse der Belegschaft in Sachen Arbeitszeit oder sozialer Zuwendungen gebe, dann könne die Zahl von Entlassungen so niedrig wie möglich gehalten werden.

Während die Gewerkschaften kritisieren, dass eine Firma mit Auftragsbüchern in Milliardenhöhe eine solche Umstrukturierung für nötig hält, erläutert die Konzernführung, dass die Lage im Verteidigungs- und Raumfahrtbereich in Wahrheit kritisch sei. Der zentrale Grund für die Schwierigkeiten ist der Rückgang der öffentlichen Aufträge. „Allein in Deutschland haben wir in den letzten Jahren vertraglich gesicherten Auftragsbestand von vier Milliarden Euro verloren, in Spanien haben wir Auftragsbestand in Höhe von drei Milliarden Euro verloren", bedauert der EADS-Kommunikationschef.

In Frankreich sei noch kein Auftragsbestand verloren gegangen, aber durch die „Unterfinanzierung des französischen Verteidigungsbudgets" werde auf Dauer auch hier das Geschäft deutlich zurückgehen. Da nicht nur in Europa, sondern auch in den USA immer weniger Aufträge zu haben sind, müssen sich die industriellen Akteure den Weltmärkten zuwenden - und da ist die Konkurrenz äußerst hart. „Auf diesen Märkten sind wir mit unseren europäischen Produkten und Preisen oft einfach nicht wettbewerbsfähig", erläutert Ohler. „Da liegen manchmal Welten zwischen den technologischen Spezifikationen in Europa und denen in den Exportmärkten. Da kommt man schnell mal auf 30 % Preisnachteil." Und der Blick auf das Auftragsbuch sei trügerisch: „Das hat heute vielleicht einen Bestand von 48 Milliarden Euro, in den nächsten vier oder fünf Jahren wird sich das auf 30 Milliarden Euro reduzieren. Wir verfrühstücken sozusagen gerade unseren Bestand und irgendwann müssen wir uns anpassen - damit beginnen wir jetzt, also noch bevor uns die Krise so richtig erwischt", sagt der EADS-Manager.

Schrumpfungskurs

„Wir müssen jetzt handeln", betonte auch Konzernchef Tom Enders bei der Ankündigung der Stellenstreichungen. Wenn jetzt nichts geschehe, werde sich die Lage der Firma und der Beschäftigten innerhalb von zwei Jahren drastisch verschlechtern, warnte Enders. Das wäre „unverantwortlich". Enders war schon einmal an einer Schrumpfungskur des Konzerns beteiligt, als 2006 bei Airbus 7 900 Stellen gestrichen wurden. Auch damals gab es Kritik von Regierungen und Gewerkschaften. „Ich sehe das gelassen", sagt Enders, zumal ein erster Versuch der Firma, sich durch eine Fusion mit der britischen BAE Systems global neu aufzustellen, am Veto der deutschen Regierung scheiterte.

„Mit BAE Systems wären wir auf den internationalen Märkten schon heute stärker. Aber ob es ohne Umstrukturierung abgegangen wäre, ist eine akademische Frage. Denn eine Chance für eine Fusion gibt es nicht mehr", sagt Ohler. „Nun müssen wir aus uns alleine heraus die Wettbewerbsstärke gewinnen, um das Geschäft erfolgreich weiterführen zu können."

TEXT: OSTAP BENDER