Französische Familienunternehmen: Traditionsbetrieb mit Zukunftsperpektive

PB Französische Familienunternehmen TraditionDas französische Familienunternehmen Faiveley Transport hat sich trotz Krise zu einem „Global Player" hochgearbeitet. Auch am Bau der neuen Hochgeschwindigkeitszüge für die Deutsche Bahn ist die Firma beteiligt. TEXT: KIM RAHIR


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Frankreichs Industrie gilt als Sorgenkind des krisengeplagten Europas: Schrumpfung, mangelnde Wettbewerbsfähigkeit, Standortschließungen und Entlassungen prägen das Bild. Doch diese Diagnose gilt nicht für alle Sparten und nicht für alle Betriebe. Im Norden von Paris ist ein Unternehmen angesiedelt, das mit mehr als 5 000 Mitarbeitern weltweit und einem Jahresumsatz von nahezu einer Milliarde Euro von Rekord zu Rekord eilt: Faiveley Transport, ein über neunzig Jahre alter Traditionsbetrieb, der Systeme für Schienenfahrzeuge herstellt. Seit Beginn des neuen Jahrtausends hat das Unternehmen seinen Umsatz praktisch verfüntfacht - und drei Mega-Aufträge des deutschen Transportriesen Siemens sichern dem Unternehmen auch mittelfristig rosige Aussichten.

Wer viel Bahn fährt, ist sicher schon mit Produkten von Faiveley Transport in Berührung gekommen. Die Firma liefert Zug- und Bahnsteigtüren, Informationssysteme für Passagiere, Klimatechnik und Bremsanlagen. Eine glückliche Hand bei Akquisitionen und die Konzentration auf drei Kernbereiche spielen nach Einschätzung von Faiveley-Chef Thierry Barel eine entscheidende Rolle. Als großer Coup gilt der Erwerb des schwedischen Bremstechnik-Spezialisten SAB WABCO im Jahr 2004: Faiveley verdoppelte seine Größe, blieb aber Mehrheitseigner der neuen Firma. Ein Gemeinschaftsunternehmen in den USA und der Aufkauf der schweizerischen Heizungsfirma Urs Dolder komplettieren die Palette und machten den Systemlieferanten zu einem wahren „Global Player".

Gleichzeitig trieb der 2008 angetretene Faiveley-Chef Thierry Barel eine Konsolidierungsstrategie voran, die auf Systementwicklung in drei Kernbereichen setzt. Verschiedene Komponenten, die auf diverse Sektoren des Unternehmens verteilt waren, wurden in System-Gruppen zusammengeführt. Elektronik und Elektromechanik wurden im Jahr 2010 fusioniert, die Abteilung, die Türen herstellte, umfasst jetzt auch Fenster, bewegliche Tür schwellen und automatische Höhenanpassungen für die Bahnsteigkante. Mit dem Ankauf der Heizungsfi rma Urs Dolder wurde das Angebot kompletter Systeme zur Luftaufbereitung und Klimatisierung möglich.

2011 gelang es Faiveley Transport, in jedem dieser drei Kernbereiche am „Jahrhundertauftrag"der Deutschen Bahn an Siemens beteiligt zu werden: Für den Bau von 130 Hochgeschwindigkeitszügen vergaben die Deutschen drei Schlüsselaufträge an Faiveley: Bremssysteme, Einstiegstüren und Klimatisierung, zusammengenommen Verträge über 210 Millionen Euro. Es ist „der größte Auftrag in der Firmengeschichte", sagt Firmensprecher Laurent Bremond. Der DB-Auftrag verschaff t Faiveley im großen Stil einen Einstieg in den deutschen Markt. Ein wichtiger Schritt, zumal die französische Bahn SNCF neue Hochgeschwindigkeitszüge nicht vor 2015 bestellen will. Weitere Märkte, auf die Faiveley setzt, sind die USA, China und Russland.

„Die demografische und wirtschaftliche Entwicklung auf unseren Märkten ist positiv: Die Weltbevölkerung nimmt zu, die Städte wachsen weiter. Steigender Ölpreis und fortschreitende Abwendung vom Auto tragen dazu bei, dass die Zukunft der Eisenbahn-Industrie und damit auch die von Faiveley Transport gesichert ist", versichert Bremond.

TEXT: KIM RAHIR