Frankreichs Printmedien in Existenzangst

Frankreichs PrintmedienIn den 50ern hatte France Soir die höchste Auflage Frankreichs: Jeden Tag über eine Million Exemplare. Die goldenen Zeiten... Jetzt existiert die von Widerständlern gegründete Zeitung nicht mehr. Das gedruckte Blatt erschien zum letzten Mal im Dezember 2011. Danach überlebte es als Online-Ausgabe nur noch ein halbes Jahr. Bis zur vollständigen Auflösung im Sommer 2012. TEXT: ADRIEN PECOUT


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Selbst wenn die französische Presse seit Längerem unter Erosion leidet, hat die sich aktuell zuspitzende Krise erst um 2000 begonnen. "Im Vergleich zu 2005 sind unseren Angaben zufolge die Verkäufe um ungefähr 9,2 % eingebrochen. Das betrifft aber vor allem die Verkäufe an Kiosken, nicht die Abos", erklärt Patrick Bartement, Generaldirektor der OJD, der Einrichtung zur Beobachtung des Pressevertriebs. Internet hat tatsächlich die Lesegewohnheiten revolutioniert. Vor allem die jüngeren Menschen wenden sich vom kostenpflichtigen Papier ab. Andere Folge: die Websites ziehen immer mehr Werbung an und nehmen damit der Presse eine ihrer herkömmlichen Einnahmequellen weg.

Nischenmagazine von Qualität oder die meistverkaufte französische Tageszeitung, das regionale Blatt Ouest France (750 000 Exemplare), sorgen zwar für Hoffnung. Trotzdem kommentiert der Mediensoziologe Jean-Marie Charon: "In allen Industrieländern, selbst in den Vereinigten Staaten, steht die Presse vor denselben Herausforderungen. Ein tiefgreifender Umbruch vollzieht sich derzeit in der Medienlandschaft." Das Gebot der Stunde ist, neben dem Papier auch gepixelte Inhalte vorzulegen. Ob auf Tablets, Smartphones oder Computern. Daher schloss die renommierte Tageszeitung Le Monde unter der Leitung von Éric Izraelewicz, dem vor zwei Monaten an einem Herzinfarkt verstorbenen Direktor, die Online- und Printredaktion ihres politischen Ressorts vor der Präsidentenwahl 2012 zusammen.

"In Frankreich stehen wir in der Wüste und viele sehen Internet als eine Lösung. Aber sie fragen sich noch, ob es rentabel sein kann oder ob es sich bloß um eine Fata Morgana handelt. Inzwischen haben mehrere Journalisten ihren Job verloren", so Anthony Bellanger, Generalsekretär der führenden französischen Journalistengewerkschaft (SNJ). Jede Redaktion sucht nach einem Patentrezept. Im Jahre 2012 verwandelte sich z.B. das Wirtschaftsblatt La Tribune in eine Wochenzeitung mit einer täglich aktualisierten Website. Gleichsam schon wie ein Verschwinden... Auch die linke Tageszeitung Libération hat Maßnahmen vor und will ein gestaffeltes Bezahlsystem für ihre Webseite einführen.

Hierzulande stellen sich Pressemagnaten weitere Fragen, besonders im Hinblick auf französische Eigenarten: Die schwache Zahl der überregionalen Presseverkaufsstellen (ca. 30 000); die Konkurrenz der umstrittenen Gratiszeitungen (20 minutes, Metro); und die Schwierigkeiten des größten oft streikenden Pressevertreibers Presstalis. Zu befürchten ist schließlich die Senkung der ansehnlichen Staatsunterstützung. Ein Manna von 1,2 Milliarden Euro jährlich, auf das manche Zeitungen mehr denn je angewiesen bleiben.

TEXT: ADRIEN PECOUT