Frankreichs großer Stolz: seine Elite!

Frankreichs großer Stolz seine EliteIn Frankreich besteht das Hochschulwesen aus Universitäten einerseits und den sogenannten „grandes écoles" - die Eliteschulen anderseits. Letztere stellen für Studenten und Eltern den Königsweg dar, da die Universitäten in Frankreich kein sehr hohes Ansehen genießen - trotz des guten internationalen Rufs der Sorbonne.

Die Elite-Förderung gehört zu den Kernelementen des französischen Bildungssystems. Sie beginnt bereits im Vorschulalter und setzt sich in Privatschulen und staatlichen Elite-Schulen fort, wofür die Spitzenschüler in einem harten Auswahlverfahren sehr streng ausgesucht werden. Die sogenannten concours (Aufnahmeprüfung) müssen aber erst nach dem Abitur über zwei oder drei Jahre in den classes préparatoires vorbereitet werden. In diesen Concours müssen die Bewerber in erster Linie ihre Allgemeinbildung unter Beweis stellen. Hier wird nicht Spezialwissen gefragt sondern ein breitgefächertes Allgemeinwissen, eine tadellose Ausdrucksfähigkeit (und Orthografie), ein stark geprägtes logisches Denken sowie - beim mündlichen Teil - ein stabiles Nervenkostüm. Dabei werden die besten von allen Bewerbern angenommen, das heißt, es geht nicht darum, eine Prüfung zu bestehen, sondern darum, besser als die Mitbewerber abzuschneiden.

Dieses System hat Kritiker und Befürworter. Die Ersten bemängeln die Fortsetzung eines Kastensystems, die Anderen begrüßen das demokratische Verfahren. Beide haben wohl recht: Jugendliche aus dem Bildungsbürgertum sind in den Grandes écoles überrepräsentiert.

Die drei traditionellen "Grandes écoles" sind bis heute Schmieden der französischen Wirtschaft und Gesellschaft. An ihre Seite treten aber zunehmend junge Managementschulen nach angelsächsischem Vorbild.

Bekannteste Elite-Schule ist die 1946 gegründete école Nationale d'Administration (ENA). Sie öffnet vor allem den Weg in die Spitzen von Staatsverwaltung und Politik. Zu ihren Absolventen gehörte auch Staatspräsident Jacques Chirac. Das ENA-Studium ist stark an der Verwaltungspraxis orientiert. Französische ENA-Schüler müssen eines ihrer beiden Praktika im Ausland absolvieren. In besonderen Lehrzyklen werden auch ausländische Studenten aufgenommen.

Stark naturwissenschaftlich-mathematisch ausgerichtet ist die 1794 gegründete école Polytechnique. Unter Napoleon dem Militär zugeschlagen, wurde sie 1970 öffentliche Hochschule unter Aufsicht des Verteidigungsministeriums. Die Elite-Hochschule, die Topmanager wie den Alcatel-Chef Serge Tchuruk ausbildete, lässt seit 1972 auch Frauen zu.

Dritte im Bunde ist die école Normale Superieur (ENS), deren Wurzeln ebenfalls bis 1794 zurückreichen. Sie untersteht heute dem Bildungsministerium und alle angenommenen Schüler verpflichten sich, mindestens 10 Jahre für den Staat zu arbeiten, wofür sie schon den Beamtenstatus samt Gehalt und Schutz erhalten. Das geisteswissenschaftlich ausgerichtete Institut führt unter anderem den Philosophen Jean-Paul Sartre in seiner Ahnengalerie. Die ENS bildet Nachwuchs für Hochschulen und Staatsinstitute sowie gesellschaftliche Führungskräfte aus.

Hinzu kommen international anerkannte Handelsschulen, die sich auf Finanzen, Marketing und Management spezialisiert haben, aber sehr hohe Schulgebühren fordern (bis zu 10000 Euro pro Schuljahr), wie ESSEC und HEC.

Die renommierteste politische Ausbildung erhält man in den Politikwissenschaftsinstituten von Sciences-Po, die auch Kommunikation, Wirtschaftsrecht, öffentliche Verwaltung und Europawissenschaften anbieten.

Im Ausland werden die Grandes Écoles teilweise als Beispiele eines funktionierenden Eliteuniversitätssystems angesehen. Ein Vergleich z. B. den deutschen Universitäten ist aufgrund der unterschiedlichen Bildungsziele nur bedingt möglich. Denn während die deutschen Universitäten eher Spezialisten mit breitem Grundlagenwissen heranzuziehen versuchen, geht es an den renommiertesten Grandes Écoles um die Ausbildung von Generalisten mit gewissen Fachkenntnissen und vor allem Führungsqualitäten. Entsprechend ist zwar für den Zugang zu den höheren Posten in Staat und Wirtschaft das Diplom einer renommierten Grande École so gut wie unabdingbar, die Spezifikation des betreffenden Diploms aber sehr häufig zweitrangig.

Pour plus d'informations : Grandes écoles