Frankreichs Arbeitnehmer laufen Gefahr, von nordeuropäischen Nachbarn abgehängt zu werden

Frankreichs Arbeitnehmer von nordeuropäischen Nachbarn überholtDer Arbeitsmarkt in Frankreich steht vor gewaltigen Herausforderungen. Viele Führungskräfte und Manager sind überlastet, die 18 bis 24-Jährigen haben es ebenso schwer einen Job zu finden, wie die über 55-Jährigen, viele Angestellte sind zwar grundsätzlich mit ihrer Arbeit zufrieden, aber nicht mit ihrem Gehalt.

Die europaweite Edenred-Motivationsstudie bestätigt die Ergebnisse der vergangenen Jahre. Dies ist insofern alarmierend, als man in anderen europäischen Ländern eine wesentlich dynamischere Situation vorfindet. Das in fünf Ländern erhobene Stimmungsbarometer unterstreicht das Risiko, dass Frankreich Gefahr läuft, in Sachen Mitarbeitermotivation gegenüber seinen nordeuropäischen Nachbarn abgehängt zu werden.

Europaweiter Vergleich: Frankreich zwischen Nord und Süd

Die Ergebnisse der Studie zeigen im Vergleich zu 2008 eine Polarisierung des Problems in Europa. Die sehr positive Stimmung auf dem deutschen Arbeitsmarkt kommt „Nordeuropa" zugute. 74 Prozent der Arbeiter in Deutschland äußerten sich zufrieden mit ihrer Jobsituation, das ist ein Plus von 9 Prozent. In Belgien waren es 77 Prozent (-4), in Großbritannien 63 Prozent (+2). 70 Prozent der Befragten in Deutschland sagten zudem, sie glaubten an eine Zukunft ihres Unternehmens (74 Prozent in Belgien, 73 Prozent in Großbritannien).

In den südeuropäischen Ländern Spanien und Italien hingegen sind die Angestellten der Studie zufolge weitaus angespannter und beunruhigt, was die Probleme auf dem Arbeitsmarkt angeht. 36 Prozent (+6) der Italiener erklärten, ihre Motivation lasse nach. In Deutschland sagten das 20 Prozent. Während Spanien und Italien alles in allem einen negativen Trend zeigen, so ist Frankreich in der Mitte zwischen den europäischen Nord- und Südpolen positioniert.

Das französische Modell: Über Jahre stabil

Französische Arbeitnehmer: Zufrieden aber unmotiviert

Auf den ersten Blick scheinen die Franzosen den Rekord in Sachen fehlender Motivation zu halten (40 Prozent, +2). Tatsächlich ist ist die Gesamtsituation jedoch etwas differenzierter: so sind sie nicht nur vielfach unmotiviert, sondern eben auch glücklich am Arbeitsplatz und stolz auf ihre Tätigkeit. Die emotionale Bindung an die Arbeit bleibt in Frankreich weiterhin sehr stark.

Die Ansprüche der Arbeitnehmer: Wichtig bleiben Gehalt und Kaufkraft

In ganz Europa erregt die steigende Arbeitslosigkeit Besorgnis. In Spanien ist das wichtigste für 55 Prozent der befragten Arbeitnehmer, ihren Job zu behalten (+18%). In Frankreich dagegen steht die Frage des Gehalts an erster Stelle (52%), vor der Zeit, die man mit der Arbeit verbringt (18%) und der Sicherheit des Arbeitsplatzes (29%). Das französische Sozialsystem scheint die Sorgen um den Job weitgehend abzufangen, und so konzentrieren sie sich die Arbeitnehmer mehr auf das Geld: 68 Prozent erklären sich "unzufrieden" mit dem Gehalt - eine Zahl, die im Verlauf der vergangenen vier Jahre weitgehend gleich geblieben ist.

Führungskräfte: Stress und mangelnde Anerkennung

"Die mit der Arbeit verbrachte Zeit" ist das zunehmende Hauptproblem unter leitenden Angestellten in Europa. Besonders trifft dies auf Frankreich (38% +9) und Deutschland zu (45%, +16).
Vor allem für hochrangige Führungskräfte ist dies offenbar ein Problem. Auf einer Zehn-Punkte-Skala stufen in Frankreich 42 Prozent von ihnen ihren Stresslevel mit 8 bis 10 ein (38 Prozent im öffentlichen Sektor, 43 Prozent im privaten). Sie sind die einzigen, bei denen die mit der Arbeit zusammenhängende Stressbelastung von Jahr zu Jahr zugenommen hat. 51 Prozent von ihnen glauben, sie „opferten ihrer Arbeit zu viel Zeit" (14), zugleich äußern sich nur 59 Prozent zufrieden mit der Anerkennung, die sie für ihre Arbeit erhalten (43 Prozent davon aus dem öffentlichen Bereich). Hierin zeigen sich deutlich die Konsequenzen aus der steigenden Arbeitsfülle, die gerade hochqualifizierte Arbeitnehmer zu bewältigen haben.

Beide Enden der Alterspyramide sind raus

Frankreich weist europaweit mit die geringsten Beschäftigungsquoten bei den jungen, 18-24 Jahre alten Arbeitnehmern, und bei älteren ab 55 Jahren auf. Ähnliches gilt für Belgien, Spanien und Italien. Einzig Deutschland bildet in diesem Punkt eine positive Ausnahme. Die Ergebnisse der diesjährigen Umfrage zeugen von einer „maximalen Zurückhaltung" von Unternehmen bei diesen beiden Bevölkerungsgruppen: 67 Prozent der 18-24jährigen geben an „überlegt zu haben, ihr Unternehmen zu verlassen" (+17), 66 Prozent sind es bei den über 50jährigen (+2). Beachtenswert ist, dass sich besonders Arbeitnehmer über 40 Jahre - und speziell jene aus Frankreich - die meisten Sorgen machen, ob sie schnell wieder eine Arbeit finden, sollten sie ihren aktuellen Job verlieren.

Beamtentum: Wichtig und im Wandel

Die Beamten in den europäischen Ländern zeigen sich vergleichsweise zuversichtlich, was die Zukunft ihres Arbeitsplatzes angeht, mit Ausnahme von Frankreich: Hier gaben nur 45 Prozent an, sie seien optimistisch. In anderen Ländern betrug diese Zahl zwischen 65 und 85 Prozent. Gleichzeitig wird eine Tendenz deutlich: Mehr als in der Vergangenheit zeigen die Beamten eine Bereitschaft, ihren Job aufzugeben (38%). Das betrifft vor allem den öffentlichen Dienst, wo die Besorgnis am deutlichsten zu spüren ist.

Was zu tun bleibt

In diesem Zusammenhang ergeben sich vier große Herausforderungen:

  • Wiederherstellen von Vertrauen (sowohl individuell als auch kollektiv)
  • Fördern der Arbeitsmarktfähigkeit
  • Fördern der Lebensqualität im Unternehmen
  • Wiederherstellung der Kaufkraft

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