European Energy Exchange: Erfolgsmodell der deutsch-französischen Zusammenarbeit

European Energy Exchange Erfolgsmodell der deutsch-französischen ZusammenarbeitLeipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung referierte beim "déjeuner-débat" des deutsch-französischen Wirtschaftsclubs "CEFA" in Paris über die Entstehung der Energiebörse "European Energy Exchange" (EEX). Seinen Ursprung fand dieses Erfolgsmodell der deutsch-französischen Zusammenarbeit in Leipzig. TEXT: JASMIN KOHL


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"Wir hatten keine Chance, also haben wir sie genutzt", fasste Burkhard Jung, Oberbürgermeister von Leipzig, die Gründung der Leipziger Energiebörse "LPX" im Jahr 2000 zusammen und spielte damit auf die Dominanz anderer deutscher Städte als Wirtschaftsstandort an. Der deutsch-französische Wirtschaftsclub "CEFA" hatte Jung am 24. März als Referenten zu seinem monatlichen "déjeuner-débat", einem Mittagessen mit anschließender Diskussion nach Paris eingeladen. Im edlen Etablissement "Salons du Cercle de l'Union Interallié" folgten rund 30 Club-Mitglieder Jungs Vortrag über die Energiebörse EEX.

2002, nur zwei Jahre nach der Gründung der LPX schloss sich die Leipziger Börse mit der Frankfurter Energiebörse zusammen - die Geburtsstunde der EEX. "Wir haben es geschafft, den Hauptsitz in Leipzig zu etablieren", berichtete Jung sichtbar stolz. An der EEX werden Kontrakte auf Strom, Kohle und Emissionsberechtigungen sowie Fracht- und Agrarprodukte gehandelt oder zum Clearing (Feststellen gegenseitiger Forderungen, Verbindlichkeiten und Lieferverpflichtungen) registriert. 2008 erfolgte schließlich mit der Gründung der Strombörse "European Power Exchange" der Zusammenschluss mit Paris. Dort wird Strom für Deutschland, Frankreich, Österreich und die Schweiz gehandelt. Diese Länder machen zusammen mehr als ein Drittel des europäischen Stromverbrauchs aus. Die EEX könne inzwischen als Erfolgsmodell der deutsch-französischen Zusammenarbeit verbucht werden, denn der Handel bündele nicht nur Angebot und Nachfrage, sondern senke gleichermaßen Transaktionskosten.
Mit seiner Zukunftsversion der EEX positionierte sich Jung als überzeugter Europäer. "Die europäische Zusammenarbeit muss deutlich gestärkt werden", so Jung. Konkret sprach er sich für eine Ausweitung der Zusammenarbeit auf mitteleuropäische Länder wie Polen, Ungarn und Tschechien aus.

Francis Mer, Präsident des CEFA, konfrontierte den Oberbürgermeister mit einer kritischen Frage: Mer konstatierte, dass Frankreich Deutschland schon heute mit aus Atomenergie gewonnenem Strom beliefere. Im Hinblick auf den von der Bundesregierung beschlossenen Atomausstieg bis zum Jahr 2022 werde sich diese Entwicklung weiterhin verstärken. Jung erwiderte nonchalant, dass sich die deutsch-französische Zusammenarbeit durch diese Gegensätze in der Energiepolitik nicht verschlechtern müsse. Im Gegenteil - diese Unterschiede würden beide Länder bereichern.
Der gebürtige Westfale nutzte außerdem die Gelegenheit, um die Städtepartnerschaft zwischen Leipzig und Lyon, die seit 1981 besteht, zu loben. Zu bedenken gab er jedoch, dass diese vor allem auf kulturellem Niveau stattfinde - auf wirtschaftlichem Niveau bestehe dagegen noch viel ungenutztes Potenzial.

Der deutsch-französische Wirtschaftsclub CEFA setzt sich seit seiner Gründung 2005 für die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich ein. Zu diesem Zweck organisiert der Club einmal im Monat ein Mittag- oder Abendessen mit anschließender Debatte. Im Mittelpunkt steht ein Expertenvortrag, der ein wirtschaftliche Thematik unter deutsch-französischem Blickwinkel thematisiert. Unter den rund 150 Mitgliedern des CEFA finden sich vor allem Industrieunternehmen.