Einen Korb voll Bio, bitte!

ParisBerlin_BioDonnerstagabend in Longchamps bei Paris: fast 50 Menschen stehen Schlange vor einem provisorisch aufgebautem Tisch, auf dem sich Kisten mit Obst und Gemüse stapeln. Zwei Helfer packen von allem etwas in die mitgebrachten Körbe. Einmal wöchentlich nehmen die Mitglieder der Amap Longchamps frische Produkte aus den Händen eines Bio-Bauern entgegen. TEXTE : EVA JOHN & ROMY STRASSENBURG


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Der Verein ist eine von 53 Vereinigungen zum Schutz bäuerlicher Landwirtschaft (Associations pour le Maintien d'une Agriculture paysanne, kurz Amap) in der Île-de-France und stetig werden es mehr. „Wir sind Opfer unseres eigenen Erfolgs," sagt Sebastien Vray, seit langem aktives Mitglied: „Wir bekommen immer mehr Anfragen von Interessenten." Zahlreiche Amap-Neugründungen belegen den Erfolg, doch nur 2% der französischen Bauern erfüllen die Kriterien rein biologischen Anbaus.

Frankreich hinkte lange Zeit bei der Förderung biologischer Landwirtschaft hinterher. Noch immer beeinfl usst die starke Agrar-Lobby die Verteilung von (europäischen) Fördergeldern, leider oft zu Gunsten der Großbetriebe. Was aber unterscheidet die Amap-Betriebe von Frische-Märkten oder Bio-Läden? „Es geht um mehr als nur den Konsum von gesunden Produkten aus regionalem Anbau. Als Mitglied muss man sich auch engagieren und gemeinsam handeln," erklärt Sébastien. Die Mitglieder verpflichten sich für ein Jahr zum wöchentlichen Kauf eines Korbs mit Gemüse oder Obst. Der Partner-Landwirt füllt ihn mit den Produkten der Saison. Um die 16 Euro kostet so ein Korb, was drin ist, hängt von der Jahreszeit und der Ernte ab.

Da man seine Früchte nicht selbst auswählen kann, fürchten einige, im Winter plötzlich mit 5 Kilo Äpfel oder Kartoffeln dazustehen. Pauline und Antoine, ein junges Pärchen aus einem Pariser Vorort, sind trotzdem begeistert: „Wir entdecken dadurch auch Obst und Gemüse, das wir vorher gar nicht kannten, wie die Kaki zum Beispiel."
Viele Großstädter haben kaum noch Bezug zur Herkunft ihrer Nahrungsmittel, auch wenn Bio-Läden wie Pilze aus dem Boden schießen. Doch Bio ist nicht gleich Bio. Die 27jährige Marine hat 4 Jahre lang für Biohändler gearbeitet und weiß: „es gibt einen enormen Unterschied innerhalb der Produktpalette und nicht immer stimmt die Qualität."
Die Mitglieder der Amap organisieren deshalb mehrmals im Jahr Besuche auf „ihrem Bauernhof."

So können sie sich darüber informieren, wie die Produkte angebaut werden, die jeden Donnerstag in ihren Korb kommen. Glaubt man Claude Gruffat, dem Vorsitzenden des größten Netzwerkes von Bio-Läden in Frankreich, „Biocoop", so sind die biologisch angebauten Lebensmittel gehaltvoller und ausgewogener und man gibt letztlich weniger aus. Mit der Umstellung von Fleisch auf Gemüse schont man den Geldbeutel zusätzlich. Die Amap-Mitglieder zählen auf eine gute Ernte, damit ihre Körbe reich gefüllt werden...

TEXTE : EVA JOHN & ROMY STRASSENBURG