Eine Karriere in Frankreich kann chaotisch werden

Carrière des Français chaotiqueBei der Generation der jungen Arbeitnehmer folgen immer häufiger auf Phasen der Berufstätigkeit Phasen der Arbeitslosigkeit.

Sie sind viel häufiger arbeitslos, "unter Druck" und einer höheren Arbeitsbelastung ausgesetzt, als die Arbeitnehmer der Generationen vor ihnen... Eine Umfrage des nationalen Statistikinstituts INSEE in Frankreich macht die zunehmende Instabilität der beruflichen Laufbahnen junger Angestellter deutlich. Die Lage der Franzosen wird immer prekärer. Stress wird immer stärker von den Arbeitnehmern wahrgenommen. Das Ergebnis der Studie, in die verschiedene Generationen miteinbezogen worden sind und die durch das  INSEE und das Arbeitsministerium (DARES) veröffentlicht wurde, ist, dass sich die Arbeitsbedingungen in Frankreich in den letzten Jahren deutlich verschlechtert haben.

Diese erste, retrospektive Studie hat den beruflichen Werdegang von fünf Altersgruppen untersucht: Von Personen, die vor 1940 bis zu den denen, die in den Jahren 1970 bis 1980 geboren worden sind. Unterscheiden sich die Karrieren wirklich so stark?

Viel prekärer als ihre Eltern

Die jüngste Generation kann ihre Karriere auf jeden Fall weniger konsequent verfolgen, als das noch die Vorgänger-Generationen konnten. Bezogen auf die Arbeitgeber gibt es mehr Bewegung: Diejenigen, die vor 1960 geboren sind, hatten im Durchschnitt bis zu ihrem 40. Lebensjahr 4,1 Arbeitgeber gegenüber jenen, die vor 1940 geboren wurden, mit durchschnittlich 2,7 Arbeitgebern im gleichen Zeitraum.

Nichtverlängerung eines Arbeitsvertrags oder Entlassung werden wie ein Mangel an Anerkennung erlebt

Immer mehr Arbeitnehmer finden sich beruflich in einer instabilen Situation wieder. Mehr als drei verschiedene Arbeitgeber und immer wieder Phasen der Nichtbeschäftigung werden zur Norm. Das INSEE macht deutlich, dass „die Beständigkeit eines Arbeitsverhältnisses Anerkennung bedeutet, wie umgekehrt befristete Beschäftigung als fehlende Anerkennung der Leistung erlebt werden kann."
Im beruflichen Werdegang wechseln sich Phasen der Arbeitslosigkeit und Beschäftigung viel häufiger ab. In der Generation der zwischen 1960 und 1980 Geborenen kennt mindestens eine von zwei Personen Arbeitslosigkeit von kurzer oder langer Dauer, gegenüber einer von 10 Personen der vor 1940 Geborenen, selbst bei deutlich längerer Laufbahn. Arbeiter und Angestellte sind oft von einer solchen Unterbrechung ihrer beruflichen Laufbahn betroffen: Unter den in den 1960er Jahren Geborenen haben 57% eine längere Zeit der Arbeitslosigkeit erlebt, gegenüber 46% aller Arbeitnehmer.

Ein Gefühl der gestiegenen Arbeitsbelastung

Nachtarbeit, sich immer wiederholende Aufgaben, das schädlichen und giftigen Stoffen ausgesetzt sein... Die Wahrnehmung der körperlichen Arbeitsbelastung ist nicht von einer Generation zur nächsten weniger geworden, trotz der Verbesserungen in Technologie und Service. Durch die Modernisierung der Unternehmen ist weder die Fließbandarbeit noch der Stress am Arbeitsplatz zurückgegangen. Die wahrgenommene körperliche Arbeitsbelastung verändert sich proportional zum Alter: am stärksten ist sie zu Beginn der beruflichen Laufbahn, dann wird sie stetig weniger, bevor sie sich auf einem Niveau einpendelt.

Junge Leute unter Druck

Wenig Anerkennung, Spannungen mit Kollegen, das schwierige Aufrechterhalten der Work-Life Balance, die Bedingungen für das Arbeiten haben sich über die Generationen hinweg "erheblich verschlechtert". Die Jüngeren, vor allem die Führungskräfte, fühlen sich stark "unter Druck". Vor allem die fehlende Anerkennung durch die Vorgesetzten wird bemängelt.