Arbeiten in Paris: Ich bin ein Pariser

PB_Ich bin ein PariserDie Stadt der Liebe zieht Menschen aus aller Welt an. Aber der Alltag sieht manchmal doch nicht so romantisch aus, wie man es vorher dachte. Zuerst die schwierige Wohnungssuche und dann die lange Jobsuche... Willkommen in Paris! TEXT: FABIEN RECKER


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Die Anziehungskraft Berlins auf junge Franzosen ist bekannt. Und umgekehrt? Paris ist auch für junge Deutsche ein aufregender Standort, um beruflich Fuß zu fassen. Rund 23 000 Deutsche im Alter von 20 bis 39 Jahren arbeiten jenseits des Rheins, die Mehrheit von ihnen im Großraum Paris. Was bewegt deutsche Arbeitnehmer zu diesem Schritt? An erster Stelle „die Attraktivität, das positive Image Frankreichs", so Jérôme Lecot, Personalvermittler für den deutsch-französischen Stellenmarkt. Paris ist ein beliebtes Ziel für eine erste Auslandserfahrung, auch wenn „manche Kandidaten eine klischeehafte Vorstellung vom Leben dort haben". Schnell trifft Klischee auf Realität, allein die Wohnungssuche stellt eine gewaltige Hürde dar. Katharina Voss, Projektleiterin im Onlinemarketing, wohnte über ein Jahr zur Untermiete, bevor sie in ein eigenes Zuhause ziehen durfte, „weil französische Vermieter keine ausländischen Bürgschaften akzeptieren".

Edda Nitschke kam 2008 mit Hilfe eines Stipendiums nach Paris. „Ich wollte hier ein neues Leben aufbauen und war ziemlich optimistisch, was die Jobsuche betrifft", erzählt sie. „Schließlich hatte ich ja einen Abschluss!" Die Suche wurde langwieriger als erwartet. Ist die Sprachbarriere einmal beseitigt, sind Unterschiede im Bildungswesen beider Länder das Haupthindernis: Französische Personalchefs seien „vom französischen Bildungsmodell geprägt und orientieren sich am ‚Ranking' der Hochschulen hierzulande", erklärt Jérôme Lecot. Oft falle es ihnen schwer, den Uni-Abschluss eines Bewerbers aus Deutschland richtig einzuschätzen. Dennoch birgt der Arbeitsmarkt im Pariser Großraum Ile-de- France Perspektiven für deutsche Bewerber. Frankreich ist Deutschlands wichtigster Handelspartner und der Bedarf an deutschsprachigen Fachkräften ist z.B. in der Automobilindustrie, der Luft- und Raumfahrttechnik oder im Maschinenbau weiterhin groß. Hinzu kommt, dass Deutsche bei entsprechender Qualifikation bessere Englischkenntnisse mitbringen als ihre französischen Mitbewerber, "das ist oft ausschlaggebend", so Lecot.

Edda hat mittlerweile eine Assistenzstelle im Pariser Korrespondentenbüro des Südwestrundfunks gefunden. Was ihr an Paris Spaß macht? "Das kulturelle Angebot zu nutzen und die ethnische Diversität zu beobachten, wie sie es in keiner deutschen Stadt gibt. In Paris trifft sich die Welt!"

TEXT: FABIEN RECKER